Die WM ist zu Ende - Nachbetrachtung

Erstellt am:

Knapp eine Woche ist nun die Weltmeisterschaft bereits wieder her und alle Mitglieder der der Deutschen Auswahl sind unlängst wieder wohlbehalten in Deutschland angekommen. Zeit für eine kleine abschließende Nachbetrachtung.

Bei dieser Weltmeisterschaft der Senioren und Junioren waren 58 Nationen mit 1042 Wettkämpfern am Start. Die deutsche Delegation reiste am 21. Oktober in die spanische Urlaubsmetropole Benidorm an. Von einem Entfliehen vor dem deutschen Herbst konnte man dabei aber nicht unbedingt sprechen, da Wettkämpfer bei internationalen Turnieren im Allgemeinen nur selten mehr zu sehen bekommen als die Trainingshalle, die Wettkampfhalle und das Hotelzimmer. Dazu war das Reiseziel "Weltmeistertitel" viel zu sehr im Blickfeld. 33 aktive Wettkämpfer und zwei Bundestrainer sowie zwei Assistenztrainer bildeten die sportlich aktive Beteiligung aus Deutschland, um lange und anstrengende Wettkampftage zu absolvieren. Dazu gesellten sich noch 30 Mitreisende aus dem näheren Umfeld der Wettkämpfer, um die deutschen Starter von den Tribünen aus zu unterstützen.

Der öffentliche Fokus bleibt naturgemäß meistens an den Wettkämpfern und Bundestrainern hängen. In so einer Nachbetrachtung sollte aber keinesfalls unerwähnt bleiben, dass Großmeister Lan Ung-Kim, Meister Paul Weiler und Meister Harry Vones aus Deutschland offiziell als Vertreter (oder in organisatorischer Funktion) des Weltverbandes am WM-Geschehen beteiligt waren. Was zudem national gilt, gilt noch mehr für internationale Wettkämpfe: Kein Wettkampf ohne Kampfrichter! Auch hier war Deutschland durch 7 Kampfrichter/innen, mit entsprechend internationaler Kampfrichterlizenz, sehr gut aufgestellt.

Bei den Wettkämpfen, die auf 10 Wettkampfflächen ausgetragen wurden, zeigten unsere Sportler wieder sehr gute Leistungen. Wie aus den Berichten der Sportler nach der Veranstaltung zu vernehmen war, war auch diese WM aber auch wieder ein Beweis dafür, dass solche internationalen Turniere oftmals ihren sehr eigenen Charakter haben. Nicht immer ist eine Favoritenrolle ein Garant für tatsächlichen Erfolg. Ebenso häufig sind es aber genau diese druckvollen Momente die das Letzte aus einem Sportler herausholen und zu ungewohnten Leistungen und Erfolgen treiben. Wer die Ergebnismeldungen aufmerksam verfolgt hat, war sicher sehr oft freudig überrascht. Oder aber selbst die erfolgreichsten und erfahrensten Sportler brechen in Anbetracht einer WM-Kulisse plötzlich ein und bleiben weit unter ihren Möglichkeiten. All diese Dinge gab es auch wieder bei dieser Weltmeisterschaft im deutschen Team. In einem sozialen Netzwerk fasste Bundestrainer Andrew Niven diese speziellen WM-Erlebnisse aus deutscher Sicht ganz wundervoll, mit folgenden Worten zusammen:

"Long days, broken dreams, near misses but also champions and champion attitudes. It was awesome."

Dank der tagesaktuellen Ergebnismeldungen auf der ITF-D-Webseite und einigen Meldungen von Sportlern vor Ort, konnte die WM von Deutschland aus recht gut mit verfolgt werden. Wie schon bei der WM in Neuseeland in 2011 wurde auch hier die Möglichkeit geboten die WM im Internet per (dieses Mal leider kostenpflichtigen) Livestream zu verfolgen.

Vor einer großen Herausforderung sahen sich die zwei Bundestrainer und die beiden Assistenztrainer durch den Umstand gestellt, Sportler auf 10 Wettkampfflächen verstreut im Auge zu behalten und zu betreuen.
Leider war dies nicht die einzige Baustelle, um die sie sich kümmern mussten: Wie die Fahrt zur Waage/Anmeldung anstand fehlte hier eine geeignete Transportmöglichkeit und ein Bus musste erst durch die Bundestrainer organisiert werden. In den Folgetagen war dies dann aber kein Problem mehr und die Fahrtmöglichkeiten vom Hotel zur Wettkampfhalle wurden seitens der Organisatoren zur Verfügung gestellt.

Nach fünf langen und harten Wettkampftagen standen für das deutsche Team folgenden Platzierungen in der Bilanz:

4 x Platz 1
5 x Platz 2
6 x Platz 3

Damit reiht sich das deutsche Team auf einem hervorragenden 5. Platz in der Nationenwertung ein. Es waren immerhin 58 Nationen bei dieser WM dabei. Die einzelnen Weltmeister wurden auf den Ergebnisseiten bereits benannt.

Schaut man sich die Wettkampfprotokolle der einzelnen Klassen genau an, fällt dann auch sehr drastisch auf, wie oft unsere Sportler nur denkbar knapp an besseren Platzierungen vorbei schrappten. Auch hier gab es zahlreiche großartige Leistungen zu verzeichnen, die nur leider nicht in verwertbaren Platzierungen mündeten. Dabei hatte nahezu jeder Wettkämpfer in jeder Klasse dieser WM ein riesiges Starterfeld zu bewältigen.

Nach einer letzten Übernachtung ging es auf die Rückreise nach Deutschland. Einige Sportler mussten bereits am Dienstag wieder arbeiten, die Schulbank drücken oder meine aufdringlich neugierigen Fragen beantworten. Und das, obwohl die WM-Strapazen sicher noch tagelang „in den Knochen“ steckten. Eine für das Taekwon-Do in Deutschland wieder sehr gut gelaufene Weltmeisterschaft ist damit zu Ende.

Der Wettkampfkalender des Jahres 2013 hat aber mit der Deutschen Meisterschaft immer noch ein nationales Highlight zu bieten. Am 30.11.2013 kann in Duisburg tatsächlich der eine oder andere amtierende Europa- und Weltmeister in Aktion und auf der Jagd nach den letzten Titeln bejubelt werden, die es in diesem Jahr noch zu erobern gibt.

Text: Holger Steinke
Fotos: Bernd Strahlmann

 Zurück